Am 22. April war der ehemalige bekennende Rechtsextremist Axel Reitz zu Gast in der Marienschule, um im Zuge des Programms "Extremislos" über verschiedene Facetten des Rechtsextremismus sowie rechtsextremistischer Netzwerke zu referieren. Mit schonungsloser Offenheit informierte er die Schülerinnen und Schüler des neunten sowie des zehnten Jahrgangs über die Gefahren eines schleichenden Radikalisierungsprozesses und das Bedrohungspotenzial, das von Rechtsextremisten, aber auch anderen extremistischen Gruppierungen auszugehen vermag.
Als "Hitler von Köln" gewann Reitz einst schnell an Einfluss in der rechtsextremen Szene und trug als Agitator im Zuge von Demonstrationen und Kundgebungen federführend dazu bei, extremistisches Gedankengut zu verbreiten und die Expansion einschlägiger Netzwerke strukturell voranzutreiben.
Sein Aufstieg unter Rechtsextremisten war jedoch keinesfalls vorgezeichnet, sondern vielmehr das Ergebnis einer schrittweisen Radikalisierung, die ihren Ursprung in einer von jugendlicher Neugierde und Naivität geprägten Haltung fand, die es ihm zugleich versagte, die ihm von Autoritäten alternativlos auferlegten Anschauungen widerstandslos anzunehmen.
So schnell sich die Radikalisierung vollzog, so beschwerlich gestaltete sich wiederum der allmähliche Ausstieg, der jedoch nicht auf ein singuläres, schicksalhaftes Ereignis zurückzuführen war, wie Reitz darlegte. Dafür war Reitz schließlich zu eng verwoben mit den rechtsradikalen Strömungen, die er jahrelang öffentlichkeitswirksam repräsentierte und im Kontext von Kundgebungen oder Demonstrationen massenweise mobilisierte.
Vielmehr bildete sich nach und nach der Entschluss in ihm heraus, sich von den prekären Lebensverhältnissen, den einfältigen und engstirnigen sozialen Kontakten sowie den stetigen Konflikten mit Polizei und Justiz endgültig abzuwenden.
Der mühsame Ausbruch aus den konspirativen Kreisen des Rechtsextremismus gelang schließlich.
Nun wirkt Reitz, der sich heute als geläuterter ehemaliger Rechtsextremist einordnet, als Referent für den Verein „Extremislos e. V.“ und widmet sich der wichtigen Aufklärungsarbeit im Kontext unterschiedlicher Erscheinungsformen des Extremismus.
Die Vielzahl von unveblümt ehrlichen biografischen Einblicken, die nicht selten mit einer ausgeprägten kritischen Selbstreflexion einhergingen, ermöglichte den Schülerinnen und Schülern eine intensive Auseinandersetzung mit den Mechanismen extremistischer Radikalisierung und verdeutlichte zugleich eindringlich die gesellschaftspolitische Relevanz von Aufklärung, Reflexionsfähigkeit und demokratischer Haltung.