„Gretchen reloaded" in der Marienschule

Präventionstheater in der Marienschule Lingen:

Die minderjährige Jenny ist ungewollt schwanger geworden. Nun muss sie sich um ihr Baby kümmern. „Euch erwartet keine locker flockige Komödie. ,Gretchen reloaded' ist eine Tragödie", kündigt Schauspielerin Sonni Maier den Zehntklässlern in der Aula an. Damit hat sie nicht zu viel versprochen: Blutverschmiert betritt sie als Jenny die Bühne.

Sie hat ein Baby in ihrem Zimmer zur Welt gebracht. Vater ist der verheiratete 42-jährige Heinrich, eine Internet-Bekanntschaft. „Abtreiben", hatte er gefordert. Doch Jenny hat ihr Kind behalten. Dennoch ist sie geschockt und verzweifelt. „Bitte geh weg", schreit sie ihr Neugeborenes an. Jennys Familie weiß nichts von ihrer Schwangerschaft, auch nicht ihre Freunde. So bleibt der Minderjährigen als einziger Ansprechpartner ihr Kuscheltier, ein Schaf. 

Gretchen2Die Marienschüler waren von dem Stück sehr angetan. „Ich habe manchmal richtig Gänsehaut bekommen", sagt eine Schülerin. Die Realität zeigt, dass es solche und ähnliche Fälle immer wieder gibt, auch in Lingen. „Es kommt durchaus zu Bekanntschaften, wo man sich auf ein Abenteuer einlässt", sagt Waltraud Wolbert von der Schwangeren- und Schwangerschaftskonfliktberatung „donum vitae". Sie hat gemeinsam mit Ariane Geesen vom Sozialdienst katholischer Frauen (SkF) Lingen und Mandy Hermeling von der Beratungsstelle „Logo" des Kinderschutzbundes an einer Podiumsdiskussion im Anschluss an das Theaterstück teilgenommen. „Es gehen Mädchen in ein Krankenhaus, die es mit einem Baby wieder verlassen. Die haben ihre Schwangerschaft verdrängt", weiß Geesen und rät den Schülern: „Ihr könnt in so einem Fall immer zu uns kommen, auch mit dem Partner oder einer anderen Begleitung." Mitarbeiter solcher Einrichtungen haben die Schweigepflicht einzuhalten. 

Laut Jahresbericht von „donum vitae" haben 482 Frauen und Familien 2013 organisationseigene Schwangerschaftsberatungsstellen in Lingen, Meppen und Papenburg aufgesucht. Damit sei diese Zahl konstant geblieben. Im Emsland seien in 193 Gesprächen nur fünf Prozent der Frauen zwischen 14 und 17 Jahre alt gewesen, dagegen war mehr als die Hälfte zwischen 22 und 34 Jahre. Bei „Logo" treffen sich im „Café Babybauch" monatlich rund zehn junge Mütter. Sie kochen und basteln zusammen, tauschen sich nebenbei über ihre Erfahrungen aus.

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